|
Naurus.
Geschichte und Gegenwart
Das Naurusfest ist
einer der ältesten vorislamischen
Feiertage der persischsprachigen Völker
und hat eine alte Geschichte. Über
das Naurusfest und seine Langjährige
Geschichte kann man sogar in historischen
Quellen wie der „Avesto“
und „Zand Avesto“ lesen.
Naurus von - „nau“ - neu
und „rus“ - der Tag, bedeutet
also „der neue Tag“.
Über die Entstehung
des Naurusfestes gibt es in den Werken
der Gelehrten und mittelalterlichen
tadschikischen und persischen Dichter
verschiedene Meinungen. Ibn Balchi
schreibt in seinem Werk „Persname“
so: Dschamsched soll der Sohn von
Diwanschdid und der Bruder von Tahmuraz
gewesen sein. Er soll 717 Jahre gelebt
haben, dem Volk alle Kunste und Berufe
beigebracht haben. Er habe eine Stadt
bauen, sie Istahr benennen und zur
Hauptstadt machen lassen. Und an diesem
Tag habe das Volk ihm die Schahkrone
anvertraut.
Anlässlich der
Schahwahl wurde ein Festtag veranstaltet,
das „Naurus“ - der neue
Tag - genant wurde. (Ibn Balchi, „Persname“,
Cambridge, 1921, S. 32- 33)
Nach Meinung des berühmten persischen
Dichters Omar Khayam bestehen 365
Tage (d. h. ein Jahr) aus zwei Sonnenkreisen.
Wenn diese beide Sonnenkreise zu Ende
gehen, endet das alte Jahr und beginnt
die erste Minute des Frühlings.
Eine ganz neue Jahreszeit, d. h. der
neue Tag des neuen Jahres fängt
an. Die Natur fängt an zu bläuen.
Und diesen Tag nennt man Naurus -
der neue Tag.
Nach der Auffassung
des Dichters Aburajhon Beruni wurde
das Naurusfest in der Zeit der Sassanidendynastie
sechs Tage lang gefeiert. An einem
Tag wurden neben anderen Veranstaltungen
auch Wettbewerbe im Schiessen organisiert.
Die Militärleute zielten von
weitem auf eine Zitrone. Eine Abbildung
eines solchen Wettkampfes wurde in
der alten Stadt Pendschikent von den
Archäologen gefunden (Skulptura
u shiwaris drevnego Pendschikenta.
Moskau, 1959, Tabelle N3).
Unsere Vorfahren
hatten am Naurusfest den Naurusfesttisch
mit sieben Sachen (Dingen) geschmückt,
die mit „sch“ beginnen.
Das waren folgende Sachen: scham -
die Kerze, schirini - das Eingemachte,
scharob - der Wein, schir - die Milch,
scharbat - Serbet (eine Art Obstsaft),
schakar - der Zucker, schona - der
Kamm, gulib- Parfum (Blumenwasser).
Die Leute haben das alles gekostet,
gerochen oder sich damit geschmückt
und einander zum Festtag gratuliert.
Viele klassische Dichter, wie z.B.
Abuabdullo Rudaki, Abulhassan Kissoji,
Mundschik Tirmizi, Robia Balchi, Omar
Khayam und andere haben ihre Werke
der Beschreibung der Natur, der Schönheit
des Lebens, den Bluten von Pflanzen
und Rosen gewidmet. So sagte einmal
der berühmte Hafiz: „Die
Tulpe nahm ich mir zum Vorbild Durstend
zum Himmel hebt sie ihren Kelch: ihn
füllt des Regens Tau. So heb
ich meinen Becher zum Himmel auch
- doch Wein erfleh ich drein“.
So wurde das Naurusfest
in den Zeiten der Gasnaviden, Saldschukiden,
Khorezmschohiden in den Zeiten der
Scheibaniden und Aschtarchaniden bis
zu unserer Zeit immer gefeiert.
Eines der bedeutendsten und ältesten
Rituale, das mit dem Naurusfest eng
verbunden ist, ist das Blumenfest.
Wenn jemand (am Wintersende) in den
Schlichten, an den Berghangen, oder
auf Flußtatern Blumen findet,
bringt er sie ins Dorf. Dort sammeln
sich 10 - 12 große und kleine
Kinder, der eine halt die Blumen in
der Hand, und alle gehen dann der
Reihe nach zu jedem Haus des Dorfes,
singen das Lied über den Frühlingsanfang
und benachrichtigen damit die Leute
über das Wintersende, über
den Beginn des neuen Jahres, darüber,
dass das Naurusfest bald beginnt.
Die Familienangehörigen hören
sich das Lied an. Nach dem Gesang
bringt einer von den Kindern die Blumen
zu den Familienangehörigen und
zeigt sie ihnen. Jedes Mitglied der
Familie (zuerst die älteren,
dann die jüngeren Angehörigen)
nimmt die Blumen in die Hand, riecht
sie, berührt damit sein Gesicht,
die Augen und die Brauen. Alle wünschen
einander Gesundheit, Erfolg und Gluck.
Dafür bekommen die Kinder kleine
Geschenke, Taschengeld sowie Weizen
und Reis. Nachdem die Kinder alle Dorfhauser
besucht haben, sehen sie sich die
Geschenke an, kaufen mit dem gesammelten
Geld alles Notwendige und veranstalten
ein gemütliches Beisammensein.
Zum Beisammensein werden auch alte
Leute eingeladen.
Ein anderes Ritual
ist das Ackern im Frühling. Vor
dem Beginn des Ackerns wird ein Fest
veranstaltet. Es kommen 10 - 15 alte
Leute und es findet ein Festmahl statt.
Es wird meistens der traditionelle
tadschikische Palav, Schurbosuppe
oder Braten zubereitet. Am Ende der
Veranstaltung nehmen die Männer
mit ihren Händen das übergebliebene
Ol aus dem leeren Palavkessel heraus
und beschmieren damit die Hörner
und den Hals von Maultieren, mit deren
Hilfe die Erde geackert wird.
Sumanak und Sumanakzubereitung
ist auch ein Frühlingsritual
der Tadschiken. 8 - 10 Tage vor dem
Naurusfest beginnen die Frauen mit
der Zubereitung von Sumanak. Der Weizen
wird einige Male gewaschen, drei Tage
bleibt er auf einen Teller oder auf
einem Brett verstreut und auf das
Dach gestellt. Da es in dieser Zeit
viel regnet, wachst der Weizen im
Laufe von 5 - 6 Tagen gut und saftig
Die Weizenspresse wird dann mit dem
Messer abgeschnitten und gepresst,
bis man den Weizensaft bekommen. Der
Weizensaft wird zum Teil mit Wasser
und Mehl vermischt. Der Teig für
Sumanak wird sowohl im Kessel gekocht,
als auch im Backofen gebacken. Dann
wird Sumanak zum Naurusfest aufgetischt.
Anlässlich des
Naurusfestes schmucken die Leute ihre
Hauser und Hofe mit verschiedenen
Blumen, grünen Gräsern und
bunten Kerzen, machen Bache, Kanale,
Garten und Wege sauber, putzen alle
Gefäße und füllen
sie mit Wasser, damit das ganze Jahr
zu Hause alles in genügender
Menge da ist. Sie sammeln Regenwasser,
trinken davon ein wenig und waschen
sich mit diesem Wasser in der Hoffnung,
dass alle Sorgen und Schmerzen des
alten Jahres zurückbleiben. Junge
Madchen waschen ihren Kopf mit dem
Regenwasser oder gehen ohne Kopftuch
(und ohne Mütze) unter den Naurusregen,
damit ihr Haar gut und gesund wachst.
Die Naurusfeiertage
werden in Dorfern und Städten
im Laufe einer Woche (in verschiedenen
Tagen) nach den Möglichkeiten
und Bedingungen des Ortes veranstaltet.
An den Feiertagen werden solche Wettkampfe,
wie Ziegeziehen (Buzkaschi), Ringen,
Schießen, Fußball, Basketball,
Laufen und andere organisiert, Musikanten
spielen Klassische und moderne Musikinstrumente,
wie Rubob, Dutor, Dombra, Tschang
(Mautrommel), Flöte, Geige, Doira
(eine Art Trommel), Akkordeon usw.
Zu fröhlicher Musik wird viel
und gern getanzt.
In der Hauptstadt
unserer Republik - Duschanbe wird
das Naurusfest gewöhnlich am
21. März begangen. An diesem
Tag werden auf verschiedenen Platzen
der Stadt Naurusfestmale - Weizenbrei
und Palav gekocht. Der Dastarchon
- „Esstisch“ wird auch
mit Sumanak, verschiedenen Gemüsekuchen,
Fruchten, frischen Gemüse, vielen
Süßigkeiten und Blumen
geschmückt.
In den Betrieben,
in den Mittel - und Hochschulen werden
Kulturabende und Konferenzen durchgeführt.
Dichter und Schriftsteller gratulieren
dem Volk zum Naurusfest und lesen
ihre neuen Werke vor. Es werden Bucherbasare
veranstaltet, wo die Bucherautoren
sich mit den Lesern treffen und Autograme
geben. Anlässlich des Naurusfestes
werden auch spezielle Gedicht - und
Erzahlungssammlungen, die dem Frühling
und dem Neujahr gewidmet sind, herausgegeben.
Unter den Schulkindern werden Sieger
im „Baitbarak“ (Wettbewerbe
im Aufsagen von Gedichten nach Reim
- und Endsilbe) herausgestellt, die
dann von Bildungs- und Kultusministerien
ausgezeichnet werden.
Dr. Hairullo Saifullaev
<<< Zurück |