Zuletzt aktualisiert am : 25/03/2008

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:. Naurus. Geshichte und Gegenwart|| 10/05/2005 ||

Naurus. Geschichte und Gegenwart

Das Naurusfest ist einer der ältesten vorislamischen Feiertage der persischsprachigen Völker und hat eine alte Geschichte. Über das Naurusfest und seine Langjährige Geschichte kann man sogar in historischen Quellen wie der „Avesto“ und „Zand Avesto“ lesen. Naurus von - „nau“ - neu und „rus“ - der Tag, bedeutet also „der neue Tag“.

Über die Entstehung des Naurusfestes gibt es in den Werken der Gelehrten und mittelalterlichen tadschikischen und persischen Dichter verschiedene Meinungen. Ibn Balchi schreibt in seinem Werk „Persname“ so: Dschamsched soll der Sohn von Diwanschdid und der Bruder von Tahmuraz gewesen sein. Er soll 717 Jahre gelebt haben, dem Volk alle Kunste und Berufe beigebracht haben. Er habe eine Stadt bauen, sie Istahr benennen und zur Hauptstadt machen lassen. Und an diesem Tag habe das Volk ihm die Schahkrone anvertraut.

Anlässlich der Schahwahl wurde ein Festtag veranstaltet, das „Naurus“ - der neue Tag - genant wurde. (Ibn Balchi, „Persname“, Cambridge, 1921, S. 32- 33)
Nach Meinung des berühmten persischen Dichters Omar Khayam bestehen 365 Tage (d. h. ein Jahr) aus zwei Sonnenkreisen. Wenn diese beide Sonnenkreise zu Ende gehen, endet das alte Jahr und beginnt die erste Minute des Frühlings. Eine ganz neue Jahreszeit, d. h. der neue Tag des neuen Jahres fängt an. Die Natur fängt an zu bläuen. Und diesen Tag nennt man Naurus - der neue Tag.

Nach der Auffassung des Dichters Aburajhon Beruni wurde das Naurusfest in der Zeit der Sassanidendynastie sechs Tage lang gefeiert. An einem Tag wurden neben anderen Veranstaltungen auch Wettbewerbe im Schiessen organisiert. Die Militärleute zielten von weitem auf eine Zitrone. Eine Abbildung eines solchen Wettkampfes wurde in der alten Stadt Pendschikent von den Archäologen gefunden (Skulptura u shiwaris drevnego Pendschikenta. Moskau, 1959, Tabelle N3).

Unsere Vorfahren hatten am Naurusfest den Naurusfesttisch mit sieben Sachen (Dingen) geschmückt, die mit „sch“ beginnen. Das waren folgende Sachen: scham - die Kerze, schirini - das Eingemachte, scharob - der Wein, schir - die Milch, scharbat - Serbet (eine Art Obstsaft), schakar - der Zucker, schona - der Kamm, gulib- Parfum (Blumenwasser). Die Leute haben das alles gekostet, gerochen oder sich damit geschmückt und einander zum Festtag gratuliert.
Viele klassische Dichter, wie z.B. Abuabdullo Rudaki, Abulhassan Kissoji, Mundschik Tirmizi, Robia Balchi, Omar Khayam und andere haben ihre Werke der Beschreibung der Natur, der Schönheit des Lebens, den Bluten von Pflanzen und Rosen gewidmet. So sagte einmal der berühmte Hafiz: „Die Tulpe nahm ich mir zum Vorbild Durstend zum Himmel hebt sie ihren Kelch: ihn füllt des Regens Tau. So heb ich meinen Becher zum Himmel auch - doch Wein erfleh ich drein“.

So wurde das Naurusfest in den Zeiten der Gasnaviden, Saldschukiden, Khorezmschohiden in den Zeiten der Scheibaniden und Aschtarchaniden bis zu unserer Zeit immer gefeiert.
Eines der bedeutendsten und ältesten Rituale, das mit dem Naurusfest eng verbunden ist, ist das Blumenfest. Wenn jemand (am Wintersende) in den Schlichten, an den Berghangen, oder auf Flußtatern Blumen findet, bringt er sie ins Dorf. Dort sammeln sich 10 - 12 große und kleine Kinder, der eine halt die Blumen in der Hand, und alle gehen dann der Reihe nach zu jedem Haus des Dorfes, singen das Lied über den Frühlingsanfang und benachrichtigen damit die Leute über das Wintersende, über den Beginn des neuen Jahres, darüber, dass das Naurusfest bald beginnt. Die Familienangehörigen hören sich das Lied an. Nach dem Gesang bringt einer von den Kindern die Blumen zu den Familienangehörigen und zeigt sie ihnen. Jedes Mitglied der Familie (zuerst die älteren, dann die jüngeren Angehörigen) nimmt die Blumen in die Hand, riecht sie, berührt damit sein Gesicht, die Augen und die Brauen. Alle wünschen einander Gesundheit, Erfolg und Gluck. Dafür bekommen die Kinder kleine Geschenke, Taschengeld sowie Weizen und Reis. Nachdem die Kinder alle Dorfhauser besucht haben, sehen sie sich die Geschenke an, kaufen mit dem gesammelten Geld alles Notwendige und veranstalten ein gemütliches Beisammensein. Zum Beisammensein werden auch alte Leute eingeladen.

Ein anderes Ritual ist das Ackern im Frühling. Vor dem Beginn des Ackerns wird ein Fest veranstaltet. Es kommen 10 - 15 alte Leute und es findet ein Festmahl statt. Es wird meistens der traditionelle tadschikische Palav, Schurbosuppe oder Braten zubereitet. Am Ende der Veranstaltung nehmen die Männer mit ihren Händen das übergebliebene Ol aus dem leeren Palavkessel heraus und beschmieren damit die Hörner und den Hals von Maultieren, mit deren Hilfe die Erde geackert wird.

Sumanak und Sumanakzubereitung ist auch ein Frühlingsritual der Tadschiken. 8 - 10 Tage vor dem Naurusfest beginnen die Frauen mit der Zubereitung von Sumanak. Der Weizen wird einige Male gewaschen, drei Tage bleibt er auf einen Teller oder auf einem Brett verstreut und auf das Dach gestellt. Da es in dieser Zeit viel regnet, wachst der Weizen im Laufe von 5 - 6 Tagen gut und saftig Die Weizenspresse wird dann mit dem Messer abgeschnitten und gepresst, bis man den Weizensaft bekommen. Der Weizensaft wird zum Teil mit Wasser und Mehl vermischt. Der Teig für Sumanak wird sowohl im Kessel gekocht, als auch im Backofen gebacken. Dann wird Sumanak zum Naurusfest aufgetischt.

Anlässlich des Naurusfestes schmucken die Leute ihre Hauser und Hofe mit verschiedenen Blumen, grünen Gräsern und bunten Kerzen, machen Bache, Kanale, Garten und Wege sauber, putzen alle Gefäße und füllen sie mit Wasser, damit das ganze Jahr zu Hause alles in genügender Menge da ist. Sie sammeln Regenwasser, trinken davon ein wenig und waschen sich mit diesem Wasser in der Hoffnung, dass alle Sorgen und Schmerzen des alten Jahres zurückbleiben. Junge Madchen waschen ihren Kopf mit dem Regenwasser oder gehen ohne Kopftuch (und ohne Mütze) unter den Naurusregen, damit ihr Haar gut und gesund wachst.

Die Naurusfeiertage werden in Dorfern und Städten im Laufe einer Woche (in verschiedenen Tagen) nach den Möglichkeiten und Bedingungen des Ortes veranstaltet. An den Feiertagen werden solche Wettkampfe, wie Ziegeziehen (Buzkaschi), Ringen, Schießen, Fußball, Basketball, Laufen und andere organisiert, Musikanten spielen Klassische und moderne Musikinstrumente, wie Rubob, Dutor, Dombra, Tschang (Mautrommel), Flöte, Geige, Doira (eine Art Trommel), Akkordeon usw. Zu fröhlicher Musik wird viel und gern getanzt.

In der Hauptstadt unserer Republik - Duschanbe wird das Naurusfest gewöhnlich am 21. März begangen. An diesem Tag werden auf verschiedenen Platzen der Stadt Naurusfestmale - Weizenbrei und Palav gekocht. Der Dastarchon - „Esstisch“ wird auch mit Sumanak, verschiedenen Gemüsekuchen, Fruchten, frischen Gemüse, vielen Süßigkeiten und Blumen geschmückt.

In den Betrieben, in den Mittel - und Hochschulen werden Kulturabende und Konferenzen durchgeführt. Dichter und Schriftsteller gratulieren dem Volk zum Naurusfest und lesen ihre neuen Werke vor. Es werden Bucherbasare veranstaltet, wo die Bucherautoren sich mit den Lesern treffen und Autograme geben. Anlässlich des Naurusfestes werden auch spezielle Gedicht - und Erzahlungssammlungen, die dem Frühling und dem Neujahr gewidmet sind, herausgegeben. Unter den Schulkindern werden Sieger im „Baitbarak“ (Wettbewerbe im Aufsagen von Gedichten nach Reim - und Endsilbe) herausgestellt, die dann von Bildungs- und Kultusministerien ausgezeichnet werden.

Dr. Hairullo Saifullaev

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